OxMox Indianerfreizeit der NAJU BW

Ein Seil, ein Tier und viel Papier (3)

Ein Teil der Geschichte der Freizeit 2006

Wie auch im Vorjahr hatten wir mit den Kindern auf unserer Freizeit ein mitgebrachtes Reh fachmännig zerlegt und verwertet. Im Gegensatz zu 2005 folgte jedoch noch ein Nachgang in mehreren Akten. Der zweite Akt begann im März 2006 als die NAJU-Geschäftsstelle mit E-Mails förmlich überflutet wurde. Und der Stress begann.

Der für die Internetseite der NAJU zuständige Freiwilligendienstler hatte sich bei der Zusammenstellung der Bilderauswahl für diese unter anderem für ein Bild von unserer Rehaktion entschieden. Beim surfen stieß jemand zufällig auf die dortige Bildergalerie und war mit der Aktion nicht so ganz einverstanden. Er schrieb eine E-Mail und zeigte das Bild weiteren Bekannten.

Jetzt ging in der Geschäftsstelle erst einmal gar nichts mehr. E-Mail auf E-Mail auf E-Mail traf dort ein. Ein kleines „Best-Of“ bekamen auch wir Teamer weitergeschickt. Und da nicht nur die NAJU-Geschäftsstelle sondern auch der Erwachsenenverband (NABU) und die Kooperationspartner ebenfalls mit E-Mails versorgt wurden, musste entsprechend reagiert werden.

Für die Geschäftsstelle war unsere Aktion „Reh zerlegen“ genauso wie eine einige Jahre zuvor auf der Bauernhoffreizeit ähnlich durchgeführte Aktion mit einem Huhn überhaupt kein Problem. Entsprechend wurde eine Stellungnahme zur Aktion und deren Wertigkeit für die auf den NAJU-Freizeiten durchgeführten Pädagogikziele erarbeitet. Im Anschluss wurde diese sowohl an die betroffenen weiteren Verbände als auch an die diversen Protestierer geschickt. Nach dieser Stellungnahme hörte man nichts mehr.

Bei der ganzen Geschichte blieb am Ende jedoch vor allem eines hängen. Der Umgang der Protestierer mit ihrer eigenen Weltanschauung in Bezug auf unser Programm deren nicht ganz ihrer Ansicht entsprechenden Programmpunkte.

„Mit dieser Fleischpropaganda wird den Kindern auch noch die Jagd nahe gelegt.“

„Rehe sind fühlende Lebewesen wie alle anderen Mitgeschöpfe auch und Kindern sollte man nicht beibringen, dass und wie man Tiere isst, sondern dass man sie achtet und respektiert.“

Diese Zitate entstammen aus zwei allen Teamern zugegangenen E-Mails und zeigen deutlich den Ansatz und die Intension der Verfasser unseren pädagogischen Ansatz zugunsten der eigenen persönlichen Weltanschauung ändern zu wollen.

Bereits beim ersten Teamerwochenende Ende Januar war von uns beschlossen worden auf der Freizeit 2007 mit der Rehaktion aussetzen zu wollen und so gingen wir nach der großen März-Welle gelassen in Richtung des dritten Aktes. Dieser war schließlich in einer der vielen E-Mails angekündigt worden.

„Wenn wir es nicht schaffen sollten, das Programm zu einem ethischen zu Kippen, dann würde ich mich freuen, euch im August zu einer Wanderung in der Wutachschlucht begrüßen zu dürfen“

Der dritte Akt fiel dann 2007 im übrigen aus. Denn entweder fand die angekündigte Wanderung überhaupt nicht oder bei einer anderen Freizeit statt. Wir hatten bei der Durchführung der Freizeit nämlich nur die üblichen Wanderer beim Durchwandern unseres Lagers auf dem Wanderweg angetroffen.

Anschließend sollte noch unser eigener Ansatz für die – auch nach 2006 weiterhin gelegentlich durchgeführte – Aktion erwähnt werden.

„Bildungsziele beispielsweise einer Indianerfreizeit sind die „nachhaltige Nutzung“ und die Verdeutlichung der Wechselwirkung „Mensch und Natur“. Hier wird die „Jäger und Sammler“ Struktur von ursprünglichen Indianerstämmen mit unserer heutigen Zivilisation verglichen. Die Kinder werden durch ein buntes Erlebnisprogramm in dem „Setting“ eines Indianerstammes geführt und setzen sich in diesem im Vergleich mit unserer heutigen Zivilisation auseinander.“

Das ganze war und ist für uns immer eine freiwillige Aktion. Daher ist es auch für uns selbstverständlich, das zum einen nicht alle Kinder an diesem Programmpunkt teilnehmen müssen und wir, je nach witterungsbedingten Möglichkeiten, immer entsprechendes Ersatzprogramm für die anderen Kinder anbieten. Auch geht zwingend ein großer Ratschlag mit Abstimmung in der großen Runde am Versammlungszelt voraus. Auch wenn man in jeden Jahr der Durchführung folgendes festhalten kann – die überwiegende Mehrheit der Kinder ist (unabhängig ob Vegetarier oder Fleischesser) bei allen jemals durchgeführten Abstimmungen für die Durchführung der Aktion „Reh zerlegen“ gewesen.

Aufgeschrieben am 06.11.2015.