Namenssuche / Visionssuche

Abschlussaktion für unsere "Großen"

Trefpunkt Namenssuche - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Jormas trifft sich mit den Visionsuchern des Jahres 2013 - Foto: NAJU BW / M. Bomuth

Hintergrund

Wenn Kinder und Erwachsene mehrfach als Teilnehmer auf die Freizeit kommen, behalten sie ihren in der Namensgebungszeremonie empfangenen indianischen Namen.

Die Kinder, die aufgrund ihres Alters zum letzten Mal als Teilnehmer dabei sind, können auf eine Visionssuche gehen, auf der sie ihren "Kindernamen" ablegen und einen neuen Indianernamen, einen "Erwachsenennamen", bekommen.

Personen

  • Medizinmann
  • ältere Kinder

Material

  • Jedes Kind braucht eine Sitzunterlage, dem Wetter angemessene Kleidung, bei sonnigem Wetter Schnakenspray.
  • Dazu für jedes Kind eine schöne Feder.

Ort

  • Wald

Ritualzweck

Die Kinder sitzen ein bis zwei Stunden alleine an einer einsamen Stelle im Wald. Hier können sie sich voll und ganz auf die Klänge, das Licht, die Gerüche des Waldes einlassen und so eine besonders intensive Naturerfahrung machen.

Ritualverlauf

Der Medizinmann kündigt einige Tage vor der Visionssuche diese Aktion an, erklärt den historischen Hintergrund und bietet an, dass sich die Kinder, die zum letzten Mal als Teilnehmer auf der Freizeit sind, überlegen können, ob sie an der Visionssuche teilnehmen möchten.

Die Visionssuche findet nachmittags an einem regenfreien Tag statt. Nach dem Mittagessen fragt der Medizinmann noch einmal in der allgemeinen Runde, welche Kinder an der Visionssuche teilnehmen möchten. Diese werden aus der Gruppe herausgenommen und der Medizinmann erklärt ihnen, was sie für die Visionssuche brauchen. Die anderen Kinder werden durch eine andere Aktion beschäftigt und sollen nicht mehr mit den Kindern sprechen, die an der Visionssuche teilnehmen.

Nachdem die Kinder die benötigten Sachen geholt haben, geht der Medizinmann mit ihnen zur Lagergrenze. Am Rand des Lagers erklärt der Medizinmann den Kindern noch einmal, wie die Visionssuche ablaufen wird.
Sobald die Lagergrenze überschritten wird, schweigen alle, nur der Medizinmann gibt noch einige Anweisungen im Flüsterton.

Der Medizinmann geht mit den Kindern so weit weg in den Wald, dass man das Lager nicht mehr sieht und auch nicht mehr hört. Optimal ist, wenn im Wald auch kein Verkehrslärm zu hören ist, sondern nur die Klänge der Natur.

Wenn die Gruppe weit genug weg ist vom Lager, hält der Medizinmann an eine Stelle, die ihm passend erscheint, an, und fragt flüsternd, welches der Kinder sich an diesem Platz auf die Visionssuche begeben will. Dieses Kind bekommt eine Feder geschenkt und setzt sich mit seiner Sitzunterlage in den Wald. Die anderen gehen weiter. Jedes Kind wird in dieser Weise einzeln in den Wald gesetzt.

Die Abstände zwischen den Kindern sollten möglichst so groß sein, dass sie sich nicht mehr hören können. Wenn man auf einem Weg durch den Wald läuft, sollte dies auch möglichst kein Weg sein, auf dem Wanderer oder andere Menschen entlang laufen. Idealerweise werden die Kinder in einem großen Bogen gesetzt, so dass der Medizinmann nicht auf dem gleichen Weg zurücklaufen muss,sondern sie zum Abschluss der Visionssuche in der gleichen Reihenfolge wieder einsammeln kann. Der Weg sollte so gewählt werden, dass die Kinder im Notfall alleine ins Lager zurückfinden, d.h. ein einfacher Weg ohne Kreuzungen.

Die Kinder sollen sich auf die Geräusche und Klänge des Waldes einlassen und schauen, ob diese ihnen einen Namen erscheinen lassen. Wenn die Kinder still sitzen, können sie oft sogar Tiere beobachten.

Nach einer gewissen Zeit – mindestens eine Stunde, wenn möglich eher zwei – holt der Medizinmann die Kinder in der gleichen Reihenfolge wieder ab, wie sie in den Wald gesetzt wurden.

Jetzt dürfen die Kinder wieder sprechen. Viele Kinder haben jetzt bereits einen Namen gefunden, die anderen können sich hierbei so viel Zeit lassen, wie sie möchten (manche brauchen dazu einige Tage). Wenn die Kinder es wünschen, kann der Medizinmann in einem Einzelgespräch die Erlebnisse im Wald besprechen und er und das Kind können gemeinsam nach einem passenden Namen suchen.

Interessanterweise kommt es oft vor, dass Kinder sich schon vor der Visionssuche einen Namen überlegen, in der Zeit im Wald kommt ihnen dann aber ein ganz neuer Name.

Wenn die Kinder, die an der Visionssuche teilgenommen haben, einen Namen gefunden haben, wird dieser bei der abendlichen Runde am Lagerfeuer von den Kindern verkündet.

Indianerzeichnung "Toopi" - Grafik: NAJU BW / J. Brummack

OxMox-Hinweis

Bitte beachten Sie, dass die Visionssuche für jüngere Kinder nur bedingt geeignet ist. Wir führen die intensive Namenssuche im Wald daher ausschließlich im Rahmen unserer "Abgängeraktionen" mit unseren die Freizeit verlassenden 12jährigen Kindern durch.

Für jüngere Kinder - oder weniger Zeitaufwand - empfehlen wir lieber unsere reguläre Namensgebungszeremonie zu nutzen.


Mehr Informationen rund um Indianernamen