Bedeutung des Medizinbeutels

nach George Catlin – Die Indianer Nord-Amerikas, Brüssel 1851

Auf unserer Indianerfreizeit ist der von uns gekürzte Text zum Thema Medizinbeutel nicht mehr wegzudenken. In den ersten Jahren haben wir ihnen den Kindern noch abends am Lagerfeuer vorgelesen, inzwischen ist er seit vielen Jahren bereits zu Beginn der Freizeit in der Lagergrenzenralley integriert.

selbstgemachter Lederbeutel - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Ein selbstgemachter kleiner Lederbeutel - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Quelle: George Catlin – Die Indianer Nord-Amerikas, Brüssel 1851 Sechstes Kapitel: "Medizin" (Kürzung: Mirco Bormuth - Textliche Überarbeitung: Jürgen Sutter)

Der Medizinbeutel

Das Wort "Medizin", welches "Geheimnis" bedeutet, spielt eine große Rolle bei den Indianern. […] Die Indianer bedienen sich jedoch nicht des Wortes "Medizin", sondern jeder Stamm hat ein eigenes Wort dafür, welches gleichbedeutend ist mit "Geheimnis" oder "Geheimnismann".

Der Medizinbeutel ist daher der "Geheimnisbeutel", und man muss seine Bedeutung und Wichtigkeit kennen, da er gewissermaßen der Schlüssel zu dem Leben und dem Charakter der Indianer ist. Diese Beutel werden aus den Häuten von Säugetieren, Vögeln oder Amphibien gemacht und nach dem Geschmack oder der Laune des Verfertigers auf die mannigfaltigste Weise verziert oder aufbewahrt. Sie werden gewöhnlich an einem Teil der Kleidung des Indianers befestigt oder in der Hand getragen und sind oft so verziert, dass sie seiner Person zum Schmuck dienen. Sie werden stets mit Gras, Moos oder ähnlichen Dingen ausgestopft und enthalten gewöhnlich keine Arzneien, da sie gewissenhaft verschlossen und versiegelt und selten oder nie geöffnet werden.

Jeder Indianer im Naturzustande hat seinen Medizinbeutel in irgendeiner Form, dem er die größte Verehrung beweist und von dem er sein ganzes Leben hindurch Sicherheit und Schutz erwartet. Oft werden als Medizin für einen Mann, Feste veranstaltet und Hunde und Pferde geopfert; auch unterwirft sich der Indianer sich tage-, ja wochenlang strengen Fasten- und Bußübungen verschiedenster Art, um seine Medizin zu besänftigen, wenn er glaubt sie beleidigt zu haben.
[…]
Der Medizinbeutel ist dem Indianer um keinen Preis feil; wer ihn verkaufte oder weggäbe, würde in seinem Stamme mit ewiger Schande gebrandmarkt werden; auch lässt der Glaube des Indianers dies schon nicht zu, da er ihn als Geschenk des Großen Geistes betrachtet. Verliert der Indianer den Medizinbeutel im Gefecht, so ist die Schande, und wenn er noch so tapfer für sein Land kämpft, kaum weniger groß, als wenn er ihn verkauft oder verschenkt hätte. Der Feind, welcher ihn erbeutet, zeigt ihn seinem Volke als Siegeszeichen, während der, welcher ihn verloren hat, die Achtung, welche anderen jungen Männern seines Stammes gezollt wird, verliert und den Beinamen "ein Mann ohne Medizin" oder "der, welcher seine Medizin verloren hat" , erhält, bis es ihm gelingt, den Verlust zu ersetzen. Dies kann jedoch nur geschehen, wenn er im Kampfe einem von seiner Hand erlegten Feinde den Medizinbeutel abnimmt. Ist dies geschehen, so hat er die Achtung seines Stammes wieder gewonnen, ja er steht sogar noch höher in derselben, denn ein solcher Beutel wird "beste Medizin" oder "ehrenvolle Medizin" genannt.

Es ist ein sonderbarer Umstand, dass ein Indianer nur einmal im Leben seine Medizin selbst machen, sie aber nur durch die Medizin seines Feindes ersetzen kann. Beide Bestimmungen sind ein wichtiger Beweggrund für ihn, im Gefechte tapfer zu streiten; die erste, um seine Medizin zu schützen und zu bewahren, die zweite, damit er falls er das Unglück hat, sie zu verlieren, sie ersetzen und seinen Ruf wiedererlangen möge.

Auf userer Freizeit arbeiten wir mit einer Druckausgabe des List-Verlags, Leipzig

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