Nordamerikanische Indianer und das Bison

Mehr als nur Nahrungsquelle

Für die nordamerikanischen Indianervölker war das Bison in früheren Zeiten mehr als nur Nahrungsquelle. Wie die meisten Naturvölker nutzten auch die Native Americans das erlegte Bison, das sein Leben für sie gelassen hat, so vollständig wie möglich.

Bison - Foto: Jack Dykinga [Public domain], via Wikimedia Commons

Bison - Foto: Jack Dykinga [Public domain], via Wikimedia Commons

Direkt nach der erfolgreichen Jagd begann die Verarbeitung des Bisons. Das dieses direkt an Ort und Stelle erfolgte ist angesichts von Größe und Gewicht eines amerikanischen Bisons auch aus heutiger Sicht mehr als nur nachvollziehbar.

Die Zunge des Büffels viele Innereien sowie das noch warme Buckelfleisch galten bei den Natives als besondere Delikatesse und wurden in der Regel direkt vor Ort roh verteilt und gegessen.

Während die Jagd des Bisons fest in Männerhand war, galt dies nicht für die Häutung und Zerteilung des getöteten Bisons. Vor Ort wurde das Bison jetzt in transportable Stücke zerkleinert und mit Travois (sowie nach der Ankunft der Weißen aus Europa auch mit Pferden) in das Lager gebracht. Dort wurde schließlich das erlegte Tier nach festen Regeln unter allen Bewohnern verteilt. Und obwohl die Jäger den größeten Anteil bekamen, ging am Ende der Verteilung niemand leer aus. Jeder bekam etwas von dem Jagderfolg der Männer des Lagers etwas ab.

Nutzung und Verarbeitung des erlegten Bisons

Die vielfältigen Verwendungen und Nutzungen der Indianer

Nach der Ankunft des zerlegten Tieres ging es im Lager in den unterschiedlichsten Bereichen weiter. Aus den einzelnen Teilen des Büffels entstanden unter anderem Nahrung, Kleidung, Schmuck, Werkzeuge und andere Gebrauchsgegenstände. Aus unserer Sicht ist die ein oder andere Nutzung oder auch der entstandene Gegenstand heute wahrscheinlich eklig und nicht vorstellbar, für die damaligen Jäger und Bewohner der großen Tipilagers war es jedoch mehr als nur normal. Das Bison lieferte viele Elemente und Dinge des alltäglichen Lebens der Indianer und soweit wie möglich verwendet. Schließlich war es genauso wie die Natives und somit den Menschen in der Betrachtungsweise der Indianer ein Teil des großen Ganzen.

Im folgenden stellen wir einige Bereiche des Alltags vor, in denen die Indianer einzelne oder mehrere Teile des Büffels verwendeten.

Fleisch des Büffels

Während der Jagdsaison wurde das Fleisch des Büffels ohne weitere Bearbeitung "frisch" gegessen. Das heute als Trockenfleisch bekannte Pemmikan war eher als Reiseproviant gedacht. Für die Verpflegung im Winter und außerhalb der Jagdsaison wurde das getrocknete Fleisch des Bisons auf andere Weise verwendet.

Die Frauen schnitten zur Herstellung von Trockenfleisch das Büffefleisch in große Streifen. Wichtig war auch, das jeder Streifen auf beiden Seiten noch eine Fettschicht behielt. Das Trockenfleisch war eigentlich eine Art Dörrfleisch. Die Streifen wurden nämlich nach dem Schneiden auf großen Holzgerüste gespannt und dann in der Sonne getrocknet. So war das Büffelfleisch dann theoretisch bis zur nächsten Jagdsaison haltbar. Vor dem Essen wurde das Fleisch dann allerdings gekocht und nicht wie heute im getrockneten Zustand gegessen.

Pemmikan

Das Pemmikan war eine Weiterverarbeitung des getrockneten Bisonfleisches. Im Pulverform und vermengt mit Knochenmark sowie zerstampften Beeren, wurde schließlich heißes Fett darüber gegossen.
Die entstandene Masse ließ man jetzt kalt werden und bewahrte sie in Fladenform in dünnen Lederbeuteln auf.

Fett des Büffels

Neben der Herstellung von Pemmikan benutzten die Jäger der Indianer das Fett der Tiere auch um diese zu täuschen. Vor der Jagd rieben diese sich mit Bisonfett ein. So überdeckten sie ihren eigenen Geruch und waren für die Tiere beim Anschleichen nicht zu wittern.

Büfelfell und -haare

Das Fell und die Haare der Bisons verwendeten die Indianer sowohl in unterschiedlicher Form als auch für die unterschiedlichsten Gegenstände. Einige dieser Nutzungen kennen wir, da wir mit diesen Kenntnissen sprichwörtlich aufgewachsen sind. Andere sind für uns sicherlich neu oder wurden von uns mit anderen Formen in Verbindung gebracht.

  • ungegerbtes Fell ohne Haare - Das enthaarte Rohleder nutzten die Indianer vor allem für die unterschiedlichsten Arten von Beuteln. Behälter für Kleinkram, Medizinbeutel, Parfleches (unter anderem für Pemmikan) oder auch größere Futterahlen für Zeremonien. Es gab wenig an Behältnissen, die nicht aus Rohleder gefertigt waren.
    Aber auch die Musiker benötigten das Rohleder, da diese einige Arten von Rasseln mit diesen herstellten.
    Diverse Arten von Lederstreifen oder auch die Sohlen für die Mokassins wurden ebenfalls aus dem ungegerbten Bisonfell hergestellt.
  • gegerbtes Fell mit Haaren - Das mit vorhandenen Haaren gegerbte Fell diente unter anderem im Winter gerne als Fellmantel. Aber auch als Schlafunterlage oder Bettdecke wurde es gerne verwendet.
  • gegerbtes Fell ohne Haare - Die Verwendungen für das gegerbte Bisonleder ohne Haare sind sicherlich bekannter. Zeltplanen, Kleidung und Schuhe. Aber auch für die Pferdetaschen und die Pfeilköcher wurden sie verwendet. Einige Stämme überzogen sogar ihre jeweiligen Boote noch mit Bisonfell.
  • Nackenhaut - Der Nacken der Bisons war besonders geschützt. Aus der entsprechend dicken Nackenhaut entstanden die unterschiedliche Schilde zum Schutz.
  • Wolle - Die warme Bisonwolle wurde zum Ausstopfen verschiedener Gegenstände vor allem im Winter genutzt. Aber auch als Füllung für Kopfissen wurde die Bisonwolle genutzt.
  • Bisonhaar - Für diverse Arten von Schnüre und vor allem Stricke wurden die Haare des Rohleders oder der enthaarten Felle verwendet. In einigen Stämmen diente das Haar für die Frauen aber auch als Material für Taschen, Gürtel und Sattelgurte. Arm- und Kniebänder wurden ebenfalls daraus hergestellt.
Knochen
  • Schädel - Der Schädel des Büffels diente vor allem als Küchenutensil. Teller, Schalen und auch Schüsseln entstanden daraus.
    Besonders große und prunkvolle Bisonchädel wurden allerdings nicht weiterverarbeitet. Diese dienten religiösen Zwecken und wurden in der Regel vom Medizinmann oder den Alten und Weisen des Stammes verwendet.
  • große Knochen - Mit dem Knochenmark der großen Knochen wurde von den Frauen das Pemmikan hergestellt.
  • Knochensplitter - Die beim Herstellen des Knochenmarks angefallenen Knochensplitter wurden diverse Ritzwerkzeuge genutzt. Auch die Ahlen, die insbesondere für das Durchlöchern des Leders genutzt wurde, entstanden daraus.
  • Rippen - Die Rippen wurden für die Tomahawks benutzt. Mit etwas Geschick und gutem Auge entstanden so die gebogenen Griffe.
    Auch für den Kanubau waren die Rippen der Bisons für einige Stämme unerlässlich. Sie dienten als "Rippen" im Kanu. Insbesondere die Stämme, deren Kanuaußenhaut aus Leder bestand, brachten so die zur schiffbareit benötigte Stabilität in die Konstruktion.
  • Schulterblätter - Die Schultern der Bisons wurden als Fellschaber und Spachtel genutzt.
  • kleine Knochen - Übrig gebliebene kleinere Knochen wurden fein verarbeitet und angeschäft. Mit einem Griff verbunden entstanden daraus die unterschiedlichen Messer der Indianer.
Innereien und sonstiges Innenleben der Bisons
  • Leber und Gehirn - Die Bisonleber und das Gehirn wurden für die Verarbeitung des Leders benötigt, da die Indianer mit deren Hilfe das Leder gerbten. Das so bearbeitete Leder wurde am Ende dann geschmeidig und für die unterschiedlichsten Verwendungen nutzbar.
  • Sehnen, Nerven und Darm - Aus diesen für uns eher unappetitlichen Teilen des Büffels entstanden unter anderem die Bogensehnen der Indianer. Aber auch das zum Nähen benötigte Garn entstand daraus.
  • Magen - Für den Transport, die Aufbewahrung und vor allem das Erwärmen von Wasser war der Bisonmagen unverzichtbar.
    Zur Erwärmung des Wassers wurden einfach heiße Steine in das im Magen aufbewahrte Wasser gegeben.
  • Blase - Auch schon aufgrund der Form, war die Blase des Büffels für den Transport und die Aufbewahrung von Dingen naheliegend. Die Indianer trockneten die Blase und machten sie wie auch das Leder geschmeidig und beweglich. Jetzt konnte sie gut als Rassel, den Transport von Pemmikan oder anderer Lebensmittel oder auch als Tabakbeutel benutzt werden.
Alles was sonst noch von Büffel übrig blieb
  • Hörner - Vielseitig wurden die Büffelhörner verwendet. Auf der einen Seite gehörten sie zum Kopfschmuck der verschiedenen Häuptlinge. Auf der anderen Seite wurden sie als Aufbewahrugsgefäß für Heilkräuter benutzt.
    Handwerklich geschickte Indianer fertigten aus den Hörnern Messergriffe oder Pfeilspitzen. Auch die Löffel entstanden aus dem Kopfhorn der Bisons.
    Nach der Ankuft der Europäer und dem erhandeln der ersten Gewehre, wurden die Büffelhörner auch für die Aufbewahrung und den Transport des Schwarzpulvers als sogenannte Pulverhörner benutzt.
  • Zähne - Die unterschiedlichen Zähne der Bisons wurden vor allem als Schaber oder als Zuschneidemesser genutzt. Einzelne Zähne waren allerdings auch als Schmuck gerne verwendet und getragen.
  • Hufe - Die Hufe wurden als Klebemittel verwendet. Da dies allerdings mit dem Huf im Ursprungszustand nicht funktionierte, wurden die Hufe für die Herstellung des Leimes über längere Zeit vor der Verarbeitung weich gekocht.
  • Schwanz - Hauptsächlich verwendeten die Indianer den Büffelschwanz als Verzierungsmittel. Einerseits wurden das Wurfspielzeug "Indiaca" - andererseits zu bestimmten Anlässen das eigene Pferd damit verziert.
    Wenn es nötig wurde, war der Schwanz der Bisons auch als ganz normale Fliegenklatsche gerne genommen.
  • Fladen - Aber auch der "lebende" Bison war den Indianern sehr nützlich. Die von der Sonne getrockneten Bisonfladen nutzte man insbesondere in der mit wenig Brennbaren ausgestatteten Steppe sehr gerne als Brennmaterial für unterschiedliche Feuer.

Bekämpfe den Indianer in dem du die Büffel tötest

Die Weißen und der Büffel

Betrachtet man sich die unterschiedlichsten Verwendungszwecke der Bisons im ganz normalen Alltag der Indianerstämme in der Prärie und den Great Plains, kann man sehr schnell nachvollziehen welche Auswirungen das Verschwinden der Büffel auf deren Leben hatte.

Und die Büffel verschwanden nicht einfach so. Viele "Weiße" vertrieben die einzelnen Indianerstämme sehr gerne, indem sie ganze Büffelherden mit ihren Gewehren in einer Massenjagd einfach und sinnlos töteten. In der Regel wurden dabei die toten Bisons einfach der Sonne und sich selbst überlassen.

 

Ansprechpartner

Mit der NAJU auf Schleichpfaden
Übersicht Indianerlager Äckerhof - Foto: NAJU BW / L. Praetorius

OxMox-Freizeit

Unsere Freizeit findet in der Nähe von St. Roman im Schwarzwald statt.
Über 9 Tage erleben wir mit unseren 8 bis 12jährigen Teilnehmer*innen vielfältige Erlebnisse rund um das Thema Indianer.

jetzt informieren
Stammeschronik
Kinder bauen einen Damm - Foto: NAJU BW / T. Reischmann

Geschichten und Anekdoten

In unserer Stammeschronik sammeln wir die lustigen, die traurigen, die faszinierenden oder auch die nachdenklichen Geschichten unserer Freizeit.

zur Stammeschronik