Und schon wieder: Schienenersatzverkehr!

So entspannt war es noch nie

Besondere Freude kommt beim Anreiseteam immer dann auf, wenn ein Schienenersatzverkehr ansteht. In den letzten Fällen kommt dieser immer recht plötzlich hereingeplatzt, da es der Gruppenservice der Deutschen Bahn regelmäßig hinbekommt Gruppenanmeldungen für bereits gestrichene Züge zu bestätigen, oder Zugstreichungen im Nachhinein bei allgemeinen Gruppen zu melden. Dennoch gab es in diesem Jahr den Preis "entspannenster Schienenersatzverkehr aller Zeiten".

Gruppe vor dem Bahnhof Freudenstadt - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Umsteigen in Freudenstadt anders als geplant. Statt 62 Minuten mit überschlagener Wende hatten wir eine halbe Stunde auf den Schienenersatzverkehr. Praktisch für alle die nochmal aufs Klo mussten. - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Nach 2006, 2007 und 2013 war es in diesem Jahr mal wieder soweit. Unsere geplante Zugfahrt funktionierte mangels fahrenden Zügen auf Teilstrecken nicht und wir mussten / durften Bus fahren. Zu Bruderhofzeiten führte dies regelmäßig zu Chaos, da hier die geplanten Zeiten überhaupt nicht mit den SEV-Zeiten übereinstimmten und wir insbesondere 2006 und 2007 noch vor dem geplanten Treffpunkt der "Vor Ort-Abholer" mit dem Bus losgefahren sein müssten. In diesem Jahr führte dies jedoch zu wenig Sorgenfalten bei Zugmanager Tatze und auch der NAJU-Landesgeschäftsstelle blieb das große Rotieren aus.

Hauptgrund dafür war der von uns großzügig in Freudenstadt geplante "Puffer" von einer Stunde (statt sehr knapper Umsteigezeit), der die durch den SEV auftretenden früheren Abfahrts- und späteren Ankunftszeiten vollständig auffangen konnte. Wir konnten geplant in Stuttgart abfahren und auch zur geplanten Uhrzeit ankommen. Auch in Schiltach änderte sich im Prinzip nichts. Hier waren wir mit dem Bus leicht vor dem geplanten Zug da und fuhren leicht später als die geplante Zugabfahrt ab. Nur in Freudenstadt änderte sich eines leicht. Wir kamen dort eine halbe Stunde später als geplant zurück. Auf der Hinfahrt hatten wir sowieso einen frühen Gruppenzusammenschluss vorgesehen.

Die Vorwarnzeit für den SEV war ausreichend, da es bereits beim Ermitteln der voraussichtlichen Fahrkartenpreise (neue Fahrstrecke – geänderte Fahrkartenplanung) auffiel. Es folgte ein nettes und angenehmes Telefonat mit der SWEG, der Betreiberin der Ortenau S-Bahn (OSB). Daraufhin schrieb Tatze eine E-Mail an die OSB und alles lief seinen normalen Gang. Über die Geschäftsstelle ging die Gruppenmeldung an die Bahn heraus, die wie erwartet einfach nur einen Stempel drunter setzte und die Verbindung nicht auf Funktionsfähigkeit prüfte. - Nächstes Jahr versuchen wir es evtl. mit einer von vorneherein komischen Zugverbindung und schauen was rauskommt.

Großer Gepäckstapel im Bus - Foto: NAJU BW / M. Ziegler Gepäckstapel im Bus - Foto: NAJU BW / M. Ziegler

Mit der Gewissheit vor der Freizeit das bestmögliche getan zu haben, fuhren wir schließlich in Stuttgart los. In spannender Erwartung, wie das denn in diesem Jahr mit dem Schienenersatzverkehr funktionieren sollte. Gut die Bauarbeiten in Eutingen behinderten etwas mehr als gedacht, aber die Zeitplanung – und der Anschluss – war gut. In Freudestadt schließlich Gruppenzusammenschluss und warten auf den SEV-Bus. Der Fahrradanhänger war wirklich ein Fahrradanhänger und konnte nicht, wie anderswo, auch mal für Gepäck genutzt werden. Aber dafür war der Bus richtig gut. Netter Fahrer, der wusste das wir kommen, schnelle Gepäckverladung und entspanntes Fahren. Gut, der Gepäckstapel musste zur Sicherheit bei Kurven und Kreisverkehren abgestützt werden. Aber das war gar nicht mal so übel. Keine Ahnung, welchen Rucksack ich da im Rücken hatte, aber als Lehne war das richtig bequem.

Die Kinder beschäftigten sich selbst. Rauchwolke aus dem Vorjahr (von Wachende Feder) und die ersten Lieder (vom sich langsam bildenden Chor) machten die fast eine Stunde dauernde Busfahrt nach Schiltach sehr kurzweilig. Die von der OSB darüber hinaus sehr gut kalkulierten Fahrzeiten machten die Fahrt dazu noch richtig entspannend, da der Busfahrer in Schiltach unseren länger dauernden Aussteigehalt (Gepäckausladung) sehr entspannt nahm und sehr ökologisch sogar den Motor ausschaltete. Kein Stress, keine Probleme – so sollte es immer sein.

Auf der Rückfahrt ähnliches Spiel. Gut der SEV hatte gut 10 Minuten Verspätung in Schiltach, was aber aufgrund der gut kalkulierten Fahrzeiten der OSB sehr entspannend verlief. In Freudenstadt waren wir nämlich zum einen nicht nur pünktlich, die Karlsruher Kinder (Wachende Feder und Kleiner Sonnenvogel trägt das Feuer) bekamen nach dem Abholen am Bahnhofsvorplatz sogar im Bahnhof selbst noch ihren sehr knappen Anschluss!

Auch dieses Mal, netter Busfahrer – auch hier wirkte es so, als ob die Information der Gruppenanmeldung von der OSB beim Busunternehmen angekommen ist – alles entspannt und vor allem ohne Stress. Gut diesmal gab es mehr Fahrgäste und der Platz war etwas weniger als auf der Hinfahrt, aber jeder Fahrgast hatte einen Sitzplatz und auch jeder Koffer und jeder Rucksack kam dort an wo er hin sollte.

Trotz dieses entspannenden Schienenersatzverkehres – nächstes Jahr wollen wir bitte die Zugverbindung und den langen Aufenthalt in Freudenstadt ausprobieren und hoffen auf SEV-freie Sommerferien im Kinzigtal.

Abenteuergeschichten im deutschen Bahnverkehr