Geheimnisvolle Briefe

Wenn plötzlich Post ankommt

Niyaha hatte in diesem Jahr ein kleines Problem. Sie bekam Post und wusste nicht warum und weshalb. Es dauerte fast die ganze Freizeit das Rätsel der Briefe zu lösen.

Brief auf Stein - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Am nächsten Morgen fanden einige Kinder auf dem großen Stein auf dem Platz einen weiteren Brief - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Eine Woche vor der OxMox fing alles an.

Mein Vater entdeckte einen Brief mit der Aufschrift "Niyaha Tiospaye Mni OxMox" im Briefkasten. Keine Adresse. Kein Absender.

Neugierig öffnete ich den Brief. Er war von drei ehemaligen OxMoxern geschrieben worden, die der Meinung waren, dass die alten Geschichten in Vergessenheit geraten oder von den Stammesältesten verdrängt worden sind.

Da ich das einzige externe Kind (also kein Teamerkind) bin, das den alte Lagerplatz noch kennt, haben sie mich dazu aufgerufen, die alten Geschichten wieder zum Leben zu erwecken.

So weit so gut.

Der zweite Brief kam, als Tatze sich am Abreisetag bei mir zu Hause unterstelle, da sein Zug aus Darmstadt bereits um neun Uhr hier in Karlsruhe ankam und wir uns erst um fünf vor elf am Bahnhof treffen mussten. Das wurde auch noch dadurch optimiert, dass ich nur eine Viertelstunde Fußmarsch vom Bahnhof entfernt wohnte. Aber wir vergaßen den Brief.

Obwohl wir den Brief zu Hause vergessen hatten, war der Beutel in Schiltach plötzlich wieder da. Auf dem zweiten Brief stand nur noch "Tiospaye Mni OxMox". In dem Beutel waren auch noch mehrere Packungen Kekse, die ich wohl auf der Wanderung verteilen sollte. Ich nahm mir vor den Brief auf der Wanderung bei einer Kekspause zu lesen.

Mit der Bahn in Schiltach angekommen, wanderten wir mit allen OxMoxern den Berg hoch. Als es in den Wald rein ging, verteilte ich schließlich die Kekse. Es war viel anstrengender als ich gedacht hatte. Denn jeder wollte einen Keks haben – und zwar gleich. Auch ich machte eine eilige Pause und las dabei meinen Brief.

An diesem Abend sprach Tatze nach der Namensgebungszeremonie im Versammlungszelt das Problem an. Ich erklärte, dass ich zwei Briefe bekommen hatte und das die Absender dieser Briefe gerne die alten Geschichten wieder aufleben lassen wollten.

Am nächsten Morgen fanden wir noch einen Brief in dem ähnliches stand. Irgendwie ging es auch um Steine. Eine Gruppe von Kindern begann mit mir zu rätseln.

Wir verdächtigten als allererstes Tatze. Aber wir wussten nicht was er für einen Komplizen hatte. Waren es Wapiti, Winjan oder Calfuray? Wir ließen jeden Teamer einmal "OxMox" schreiben. Aber keine Schrift passte mit der Schrift auf den Umschlägen zusammen. Wir hofften auf weitere Briefe. Doch anstatt Briefe, fanden wir Bilder von der "OxMatsch" genannten Freizeit 2014. Uns fiel noch etwas merkwürdiges auf. Die Umschläge der Briefe waren nummeriert. Das brachte uns weiter. Auch die Bilder trugen auf der Rückseite alle das gleiche Datum. In den Brief stand, wir sollten ja mal Wapiti fragen.

Mädchen lesen einen Brief - Foto: NAJU BW / M. Bormuth In der Zwischenzeit war wieder ein Brief gefunden worden. Vor vielen Jahren gab es einen großen Unfall. Die Kinder lasen und Wikinapa erklärte - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Am nächsten Tag fanden wir noch einen Brief. Diesmal fragten sie, ob wir ihn gefragt hätten und zur Hilfe gaben sie uns ein paar Bilder in den Brief. - In dem Brief stand weiteres über Wakilaa und Jormas, die uns eine Geschichte über Abendessen, Löffel und Krankenwagen erzählen sollten.

Über den Tag verteilt tauchten einige Bilder auf, die wir aber nicht verstanden. Wir erfuhren, dass sie trotzdem eines gemeinsam hatten. Sie waren alle aus dem Jahr 2006, als Wapiti selbst noch als Kind auf der OxMox war.

Am nächsten Morgen fanden wir zunächst keinen Brief. Dafür fand Namida am Mittag einen Brief auf der Toilette. Beinhaltet war auch ein Blatt mit Zeitungsartikeln vom Brückeneinsturz 2006. Namida fragte Tatze, was es damit auf sich hatte. Da er aber mit dem Feuerdienst gerade in den Wald ging, schickte er sie weiter zu Wikinapa. Die könnte ihr die Geschichte auch sehr gut erzählen, da sie auch dabei war.

Wikinapa erzählte ihr die Geschichte von einem Mädchen, das bereits auf der Wanderung zum Lagerplatz sich durch einen Unfall so schlimm verletzte, dass sie nicht mehr wiederkam und sogar mit dem Hubschrauber fliegen musste.

Der nächste Brief kam dann wieder morgens. Wir fanden ihn unter dem großen Steinen. In dem Brief wurde auf ein Ritual hingewiesen, das man am alten Lagerplatz immer auf der Hinwanderung gemacht hat. Das erfuhren wir aber erst später. Dafür gab es in der Tüte heute zum ersten Mal gleich einige Bilder.

Gepäckschuppen mit Bildern - Foto: NAJU BW / M. Bormuth An einem Morgen begrüßte uns der Gepckschuppen mit einem ungewöhnliches Bild - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Der Brief am nächsten Tag war etwas länger als alle anderen. Die ganze Leine im Gepäckschuppen hing mit dem Brief und vielen Bildern voll.

In dem Brief erzählten verschiedene "Personen" über die alten Rituale und das wir sie vergessen hätten.

Am darauffolgenden Tag kam eine Warnung im Brief vor: der Kojote hätte sich heute Nacht um das Lager geschlichen und die Absender hätten alles getan, damit er keine Zwietracht in unsere Träume flüstern würde. Auch fanden wir einen Zettel mit der Aufschrift "konnte gut durchs Lager schleichen". Das Gepäck war nämlich etwas durchwühlt und stand teilweise wo anders.

An diesem Abend, als wir eh eine Lagerfeuerrunde im Versammlungstipi machten, erzählte Aditsan von dem Brief. Wir überlegten in großer Runde, wer dieser Kojote sein könnte und wer denn eigentlich diese Briefe geschrieben hatte und warum. Bis Tatze schließlich alles auflöste.

Der Kojote in der letzten Nacht sei er gewesen. Er hatte im Gepäckzelt den einen oder anderen Essensbeutel von links nach rechts und von rechts nach links gelegt und den Koffer einer Teamerin von vorne nach hinten verlegt.

Geschrieben wurden die Briefe von drei alten OxMoxern, die eigentlich am letzten Wochenende kommen wollten, aber dann doch nicht konnten.

Er hatte eine E-Mail mit den Briefen bekommen in der stand "druck mal aus". Auch die Bilder hatte er gemacht. Wir erfuhren, dass er im Vorfeld der Freizeit "Blut und Wasser" geschwitzt hatte, um noch rechtzeitig an die ganzen gefundenen Bilder zu kommen und wir erkannten, dass jeden Tag die Bilder von einem OxMox-Jahr dran waren. Angefangen mit "OxMatsch".

Auch Misu war eingeweiht. In ihrer Familie waren nämlich schon bis auf ihren Vater und ihre große Schwester alle schon mal mehrfach auf den OxMox-Freizeiten mit dabei. Entweder als Teamer oder als Kind.

Und warum das ganze? Weil sie die Freizeit etwas spannender machen wollten.

viele Steine - Foto: NAJU BW / M. Bormuth Die Auswahl an Steinen war groß - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Am Morgen danach brachte Tatze den letzten Brief mit in den Kreis und las ihn vor. Wir sollten jeder einen Stein bekommen mit dem wir "sprechen" können.

Gegen Ende der Rückwanderung ("schnief") am nächsten Tag gab Tatze die Steine im Kreis herum.

Jeder konnte sich einen aussuchen. Das dauerte zwar länger als sie auszuteilen, aber so bekam jeder den Stein mit dem er wirklich "sprechen" konnte.

(Niyaha - Rauchwolke 2017)

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