Die Geschichte ging durch die Freizeit

Lauf kleiner Adler lauf und Chanie Wenjack

Das Lied "Lauf kleiner Adler lauf" begleitet uns schon seit vielen Jahren mal mehr und mal weniger stark. 2018 wurde zum Jahr des Adlers, bzw. eigentlich eher zu Chanies Jahr. Beeindruckte doch der Zufallsfund bei der Vorbereitung der Lagergrenzenralley doch auf der Freizeit viele Kinder, die sich während der Freizeit eindrucksvoll mit der Thematik der Indianerschulen in Nordamerika weiter beschäftigten.

Theaterschauspieler am Ende - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Die Theatergruppe nach der Aufführung zu Beginn des Pow Wows - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Eigentlich hatte Tatze ja vor im Zusammenspiel mit der Neuzusammenstellung der Lagergrenzenralley in diesem Jahr die Thematik der Indianerinternate wieder einmal in die Pause zu schicken. - Eigentlich, denn ein Zufallsfund in der Literatur beim Kopieren änderte alles.

Vorgeschichte

Aufgrund der hohen Anzahl der Wiederholer und der Tatsache, dass wir bereits im 2017 im Grunde genommen unsere Lagergrenzenralley von 2015 und 2016 mit anderen Schwerpunkten abgewandelt durchgeführt hatten, war es 2018 an der Zeit diese wieder einmal grundlegend zu Überarbeiten bzw. einzelne Stationen anzupassen. Einfach auch um unseren vielen Stammgästen auch etwas neues bieten zu können.

Und so saß Tatze im Vorfeld der Freizeit vor unseren Überlegungen und der Literatur und versuchte sich an den Änderungen. Das Landarttipi und die Medizinbeutelgeschichte waren auch in diesem Jahr fix und sollten nicht verändert, die Namensschilder sollten aus Programm- und Zeitgründen schließlich integriert werden. So nahmen die einzelnen Stationen immer mehr Gestalt an.

Beim Kopieren und Zusammenstellen der Materialien für die Neukonzeption der Jagd- und Kochstation passierte es aber. Tatze verblätterte sich im Buch und fand plötzlich einen Liedtext, der ihm verdächtig bekannt vorkam. "Das ist doch der Adler" dachte er so bei sich und setzte sich an den Computer und recherchierte.

Das Ende ist einfach erzählt. Auch aufgrund der Altersstruktur der diesjährigen Freizeit druckte Tatze fleißig englische Texte aus und fragte den Schönen Dachs beim Packen, ob sie sich die Texte einmal durchlesen könnte und auf der Freizeit es sich zutraut damit eine Station zu gestalten. - Schöner Dachs konnte und so gab es in diesem Jahr die traurige Geschichte des 12jährigen Chanie (Charlie) Wenjack während der Lagergrenzenralley zu hören.

Doch was danach geschah, das hatte sich weder Tatze beim Vorbereiten, Kuwanyamtiwa bei der Durchführung selbst noch ein anderer Teamer sich im Vorfeld überhaupt vorstellen können.

weiterer Verlauf

Zu Beginn der Freizeit wollte Chochmingwu versuchen mit einigen Kindern ein kleines Theaterstück für das Pow Wow zu entwickeln. Mit 10 Kindern hatte sie am Ende fast 1/3 der Kinder als Interessierte um sich herum. Jetzt galt es noch ein Thema zu finden. Und das fanden sie am Ende auch.

Eine Abordnung der Gruppe rund um Ruf des Eichelhähers kam am Ende der Überlegungen bei Tatze vorbei und fragte ihn nach den Unterlagen von Chanie Wenjack aus der Lagergrenzenralley. Sie würde sie gerne für ihr Theaterstück mal haben. Mit dem Material ausgestattet ging die Gruppe wieder zurück zu den anderen. Und die Entwicklung des Theaterstückes und die Proben begannen.

Ausdauernd wurde jetzt täglich in irgendwelchen Zeiten entweder am Waldrand oder im Versammlungstipi geprobt. Erst gegen Ende nahmen die Poben, allerdings eher auch aus Zeitgründen, ab.

Theaterstück in der Schule - Foto: NAJU BW / L. Bogert Bei der Aufführung gab es ein Wiederkehrendes Motiv. Kinder im Klassenzimmer - Foto: NAJU BW / L. Bogert

Schließlich näherte sich das Pow Wow und die Aufführung(en) von Theaterstück und den traditionellen Olympiadentänzen standen an. Alle trafen sich vor dem Workhopzelt. Die Zuschauer nahmen Platz und die Schauspieler gingen mit ihren wenigen Requisiten auf ihre Positionen.

Die unerwartete Gesamtlänge des eigenentwickelten Stückes von über einer Viertelstunde führte am Ende zu einer kleinen Panne bei der Aufzeichnung, so dass das "Happy End" des Stückes, das sich nach dem "Sad End" noch entwickelte sich alleine noch in den Köpfen und Erinnerungen der teilnehmenden Indianer sich befindet.
Tatzes Kamera quitierte nämlich nach 13 Minuten und 28 Sekunden direkt nach dem "Sad End" mit einem leeren Akku den Dienst und beendete die Aufzeichnung. Immerhin an einer strategisch günstigen Stelle. Nach dem Umwerfen der Lehrerin bat eine Schülerin der Klasse mit "Helft ihr mir?" die Klassenkameraden, die mit "OK, wir müssen die Leiche tragen", schließlich unseren Chanie aus dem Stück trugen.

Am Ende des Stückes hatten wir das geschafft, was in Kanada selbst, nach dem Tod von Chanie Wenjack, noch 30 Jahre dauern sollte. Die Indianerschule war geschlossen.

Mehr zu Chanies Geschichte

Mehr Geschichten zu Indianerinternaten
Mehr Geschichten der Freizeit 2018