Das Rätsel des CD-Players

Wenn es plötzlich auf dem Platz trommelt

Wenn das Lager in der Nacht besuch von Außerhalb erhält, kann es am Morgen schon mal interessant werden. Wenn dann auch noch Yootina das ganze durchführt, gibt es nicht nur Verwirrung sondern auch interessante Entwicklungen bei den Opfern - der Teamer.

Frühschicht findet Brief und CD-Player - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

... und somit hatte auch die Frühschicht heute eine kleine Unterbrechung des Normalprogramms vor sich. (Allerdings schon wieder zur normalen Uhrzeit) - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Als ich am Montagmorgen aufgestanden bin, wurde ich von Tatze auf einen CD-Player hingewiesen. Er sagte, er und Poloma wären um 5 Uhr von Getrommel geweckt worden. Ich ging mit Tsiishch'ili zum CD-Player, um ihn genauer anzusehen. Neben ihm lag ein Zettel, beschwert mit einem Rehbockschädel.

Auf dem Zettel stand, dass Indianer immer tauschen und da wir den CD-Player jetzt haben, sollten wir etwas dafür geben.

  1. der Skalp unseres Medizinmannes. Wir durften Jormas aber auch ersatzweise für anderthalb Stunden martern.
  2. Eine Gabe der Natur (z.B. ein geschnitzter Stock)
  3. Eine Gabe der Zivilisation (Ein Erfrischungsgetränk aus Gerste, Hopfen, Malz und Wasser).

Nach dem Frühstück ging ich mit Gnugnuska wankata peta und Zintkala pan zum CD-Player, um ihn zu inspizieren. Wir fanden eine eingelegte CD ohne Aufdruck und versuchten diese abzuspielen. Zuerst waren einzelne Trommelschläge zu hören. Bald aber wurden die Schläge gleichmäßiger und formten einen gleichmäßigen Rhythmus.
Während wir uns die CD anhörten, schauten wir uns den Zettel näher an. Als wir den Rehbockschädel umdrehten, entdeckten wir einen Namen: Winjan. Auf der rechten unteren Ecke war ein Wachssiegel mit einem Fingerabdruck. Wie leichtsinnig!

Durch die Trommelschläge wurden andere Kinder auf uns aufmerksam. Auch Tatze kam um Fotos zu schießen. Von ihm erfuhren wir, dass die Teamer fast einstimmig auf Winjans Mann Yootina tippen, da niemand so gerne Bier mochte und das Falsche fehlte. Auf diese Andeutung hin waren wir gespannt, was denn überhaupt fehlte.
Vermisst wurden eine der beiden NAJU-Flaggen, eine Tüte Kaffee, Calfurays NAJU-T-Shirt, der Kochplan und die Rezeptesammlung.

Als Yootina am Mittag zu Besuch kam, nahm Zintkala pan ihn ins Verhör. Yootina wich vielen Fragen aus. Man hörte aber heraus, dass er es war, oder mindestens einer seiner "Verbündeten" - falls er welche hatte.
Wenig später hatte Gnugnuska wankata peta eine Karte in seinem Besitz, auf der die Position der gestohlenen Dinge war. Sie hatte ihm aber leider eine kleine Rolle Prinzenrolle Doppelkekse und ein paar andere Süßigkeiten gekostet.

Schnell war ein 7-köpfiger Trupp gespannter Indianer zusammengetrommelt. So gingen Zintkala Pan,  Gnugnuska wankata peta, Cunsoke yunka wicasa, Mika, Hu topa istinma, Wicahpi wanyanka wicasa, Bemidii und ich los, um die gestohlenen Dinge zu suchen und wiederzuholen.
Da wir zuerst zu weit den Berg hinuntergelaufen waren, bevor wir bemerkten zu weit gelaufen sind, mussten wir ein gutes anstrengendes Stück hochlaufen, bis wir endlich den Heuschober sahen und abbogen. Nun hielten wir die Augen auf.

Plötzlich sah ich im Wald etwas weißes liegen und rannte los, um nachzuschauen ob es das war, was ich vermutete. Und tatsächlich: Es war die NAJU-Flagge! Gleich daneben befand sich eine dunkle Reisetasche in der sie gestohlenden Dinge lagen. Als wir wieder auf der Straße waren, erschraken wir etwas, als wir Yootina mit Kali die Straße entlang auf uns zu spazieren sahen.
Da wir unbedingt schneller im Lager als die beiden sein wollten, rannten wir querfeldein auf das Lager zu. Kali hatte uns schon fast eingeholt, als wir mit Flagge und Tasche hinter der Küche aus dem Wald kamen.

Da einige Kinder beschlossen hatten, Nachtwache zu halten (damit so etwas nicht noch einmal passierte), machten wir am Abend eine Redestabrunde um die Taktik zu besprechen.
Die Kinder, die Nachtwache halten wollten, sollten sich dunkle Sachen anziehen und sich am Versammlungstipi einfinden. Diejenigen, die einfach draußen schlafen wollten, sollten Isomatte und Schlafsäcke auf die Planen am großen Zelt legen. Diejenigen die in ihren Tipis schlafen wollten, machten sich ganz normal fertig und gingen in ihre Tipis. Irgendwann schliefen alle ein: auch die Nachtwache! :)

(Win wanyanka - Rauchwolke 2018)

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