Redaktion Rauchwolke mit Mega-Interview

Kinder im Gespräch mit Politikern

Auch in diesem Jahr nahmen sich unsere Gäste aus dem Landtag (Sabine Wölfle und Daniel Born) Zeit sich den Fragen der Redaktion Rauchwolke zu stellen. In diesem Jahr sogar so viel, dass sich daraus ein sehr langes und intensives Gespräch ergeben hat. Daher gibt es 2018 zum ersten Mal seit Beginn der Politikerinterviews das Interview nur in bearbeiteter und stark gekürzer Form. Aber 60 Minuten Gespräch ist mir (Tatze) zum einen zu viel zum Abtippen und zum anderen gibt es in dem Gespräch durchaus Themen über die man zwar gut reden kann, die aber für die Lagerzeitung jetzt nicht so wichtig waren.

Daniel Born im Gespräch mit der Lagerzeitung Rauchwolke - Foto: NAJU BW / L. Bogart

Während der Führung über den Lagerplatz ergaben sich immer wieder Gespräche zwischen Sabine Wölfle und Daniel Born mit den sie begleitenden Mitgliedern unserer Lagerzeitung - Foto: NAJU BW / L. Bogart

Win wanyanka: Wie sind sie dazu gekommen hierher zu fahren und uns zu besuchen?
Sabine Wölfle:
Da gibt es jedes Jahr vom Landesjugendring eine E-Mail an alle Abgeordneten wo man uns bittet doch eine Ferienfreizeit zu besuchen. Auf der Homepage kann man sich dann aussuchen wo man hingeht. Diesmal gab es die Aufforderung das wir zu zweit kommen. Ich weiß nicht warum. (lacht) Dann hab ich meinen Kollegen angesprochen ‚komm lass uns das miteinander machen‘ und dann haben wir spontan gesagt hierher. Wobei für mich war es nicht weit. Ich wohne eine dreiviertel Stunde von hier, er musste jetzt ein wenig länger anreisen. Aber das ist eine tolle Sache.
Der Hintergrund ist der Landesjugendring bekommt ja Gelder vom Land und deswegen suchen die natürlich den Kontakt zu den Abgeordneten, um ihre wichtige Arbeit ein bisschen zu transportieren und hoffen auf Unterstützung durch uns.

Win wanyanka: Heißt das es kommt jetzt zu jeder Freizeit jemand?
Sabine Wölfle
: Das weiß ich nicht. Ich kann mich erinnern. Beim letzten Mal waren glaub ich 60 Abgeordnete. Es waren auf jeden Fall nicht alle. Es passt auch nicht. Der eine ist vielleicht selber im Urlaub. Es war auch für uns beide schwierig einen Termin zu finden wo wir beide können.

Zintkala pan: Sie haben uns also nicht extra ausgesucht?
Sabine Wölfle:
Doch wir haben euch ausgesucht. Auf der Homepage konnte man es sich aussuchen und da haben wir beide spontan gesagt das machen wir. Wir fanden es eine tolle Geschichte und haben gesagt deswegen kommen wir hierher.

Daniel Born beim Abspülen - Foto: NAJU BW / L. Bogert Daniel Born beim Abspülen - Foto: NAJU BW / L. Bogert

Daniel Born: Und ich glaube wir haben die richtige Entscheidung getroffen.
Sabine Wölfle:
Da wo ich letztes Mal war, da musste ich spülen.
Daniel Born:
Wir wissen ja nicht, wie der Tag weitergeht.
(großes Gelächter)

Daniel Born: Der Indianer sagt ja, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Sabine Wolf:
War das nicht Konfuzius?
(Gelächter)

Zintkala pan: Warum und wie setzen Sie sich für Kinder ein?
Daniel Born:
Im Landtag selbst sind wir ja in verschiedenen Ausschüssen. Sabine Wölfle und ich haben eine große Überschneidung. Sie ist im Sozialausschuss und ich bin im Bildungsausschuss und diese beiden Ausschüsse haben unheimlich viel mit dem zu tun, wie man Politik für Kinder macht. […] Das wichtige ist glaube ich, das Politik nicht vergisst, das Kind sein auch nicht so ein einfacher Job ist. Und das man da genauso das Recht hat Unterstützung und Hilfe zu bekommen wie die etwas Längeren, die vielleicht auch schon wählen dürfen.

Zintkala pan: Apropos wählen. Kinderwahlrecht. Was halten Sie davon und wie finden Sie das?
Sabine Wölfle:
Wir haben, wo wir mit den Grünen regiert haben, die Rechte gerade im Bereich der Jugendbeteiligung gestärkt – also Jugendparlamente. Es gibt auch in vielen Städten und Gemeinden Kinderparlamente. In meiner Stadt, also in Waldkirch, wird das auch regelmäßig gemacht. Das Kinder auch entwickeln können, wie sie sich ihre Stadt vorstellen. Es hapert aber immer nur hinterher an der Umsetzung. Ich finde Kinder haben manchmal sehr kluge Ideen, wo man denkt auf die Idee ist kein Erwachsener gekommen.

Zintkala pan: Was haben Sie von unserer Freizeit erwartet? Also außer das sie abspülen müssen.
Sabine Wölfle:
Eigentlich genau das. Wir hatten nur die große Befürchtung, das man uns anmalen würde. (lacht)
Win wanyanka:
Kommt vielleicht noch. Wir haben da Farben da.

Sabine Wölfle: Mir ist es ja egal. Ich sitze im Auto. Er muss mit dem Zug fahren. (lacht) Eigentlich ist meine Erwartung übertroffen worden. Ich hab mir das alles viel einfacher und komplizierter vorgestellt und mich gefragt wie macht man das hier mit Wasser und sanitären Anlagen. Ich war bei letzten Mal auf einem Bauernhof, wo alle in diesem Bauernhof gewohnt haben.
Daniel Born:
Ich habe ganz viel erwartet. Aber eine Sache die … (es folgt ein längerer Einschub zu Verkehrskreiseln und wie Daniel Born versucht Kinder für Themen zu begeistern und sich für diese Themen einzusetzen) … Ich finde was ich hier erlebe, wie ihr hier im Einklang mit der Natur wirklich wie die Indianer lebt und auch wahrnehmt was es hier in der Natur gibt das finde ich so toll. […]

Zintkala pan: Kennen Sie eigentlich einen Indianer persönlich?
Sabine Wölfle:
In Kanada habe ich Indianer kennengelernt, ja.

Zintkala pan: Und haben Sie immer noch Kontakt?
Sabine Wölfle:
Nein, ich habe keinen Kontakt.

Zintkala pan (zu Daniel Born): Und Sie?
Daniel Born:
(schüttelt den Kopf)

Zintkala pan: Wissen Sie ob es in Deutschland einen Politiker gibt, der indianische Wurzeln hat?
Daniel Born:
Das glaube ich kaum. Aber ich weiß es jetzt natürlich nicht.
Sabine Wölfle:
Also in Nordamerika gibt es das. Da gibt es mittlerweile auch Politiker, die indianischen Ursprungs sind.

Win wanyanka: Können Sie sich vorstellen, das wenn ein Indianer in der Politik wäre, das die Politik dann in Deutschland oder Baden-Württemberg anders wäre?
Sabine Wölfle:
Ich könnte mir gut vorstellen, das man doch mehr auf die Natur achtet. Es gibt aber auch ohne Indianer auch schon Ansätze. (Es folgt ein Beispiel aus Mailand – Bosco Verticale) Bei uns sind wir da aber noch weit davon entfernt. Bei uns redet man gerade einmal über begrünte Dachflächen.

Win wanyanka: Wir hatten es vorhin auch übers Ehrenamt und wir haben erfahren das sie bei der FSK arbeiten. Wie funktioniert das?
Zintkala pan
: Gibt es da einen großen Bildschirm wo der Film gezeigt wird und am Ende sind dann 100 Leute und die stimmen dann ab ab wieviel Jahren oder wie?
Sabine Wölfle:
Das würde mich jetzt auch mal interessieren.

Daniel Born: Also das ist ein Gebäude in Wiesbaden. Bei der FSK gibt es ganz viel kleine Büros und da schauen sich viele ganz allein sich etwas auf de Computer an und treffen dann eine Entscheidung. Es gibt ja viele Fernsehserien, die eine Altersfreigabe brauchen. Ist die Firma mit dieser Entscheidung zufrieden, dann ist alles ist Ordnung. Ist sie nicht zufrieden, dann geht es in weiter in den Arbeitsausschuss. Dort landen auch automatisch alle Kinofilme. Im Arbeitsausschuss sitzen fünf Leute, die sich das zusammen anschauen und eine Entscheidung treffen. Und wenn mit der Entscheidung entweder zwei Mitglieder des Arbeitsausschusses, die Firma oder ein Bundesland nicht zufrieden ist, dann kommt der Film oder die Serie in den Hauptausschuss. Das kommt jetzt aber nicht so oft vor. Und in dem Hauptausschuss bin ich der Vorsitzende.
Im Hauptausschuss sitzen dann neun Leute. Dazu kommt dann immer noch ein Rechtsanwalt von der Firma. Der erzählt dann, warum der Film eigentlich überhaupt nicht ernst genommen werden kann und deshalb eigentlich auch überhaupt keine Gefahren von ihm ausgehen. Dann sitzt da dann aber auch immer jemand dabei der den Antrag für den Hauptausschuss gestellt hat und der sagt der Film ist total gefährlich. Und dann muss man gucken wie man es macht.
Worum es aber grundsätzlich geht ist, das der Jugendschutz in unserer Verfassung steht. Und wir sagen aber auch, das man eine Kunstfreiheit hat. Das heißt man kann machen was man will, aber das findet alles in dem Rahmen statt.
Wir sagen die Kindheit und Jugend ist eine ganz besondere Phase im Leben und da hat man auch verdienst, dass die Erwachsenen mit dafür sorgen, das man da geschützt ist. Und darum gibt es manche Filme, wo man aber sagt die darf man vielleicht erst ab einem gewissen Alter sehen, wenn man sich schon ganz anders von einer Handlung distanzieren kann.
Wenn ihr mal guckt, ihr habt doch auch mit fünf oder sechs Jahren Sachen viel ernster genommen oder gedacht die sind vielleicht echter als ihr das heute denkt. Und darum geht es uns.

Sabine Wölfle: Jetzt weiß ich auch warum du in Stuttgart nie mit mir ins Kino gehst. Du hast die Filme alle schon gesehen!

Zintkala pan: Und was machen Sie da genau bei der FSK?
Daniel Born:
Ich sitze da nicht im Büro sondern bin das Komitee und ich diktiere nach dem Anschauen des Filmes jemandem warum die Entscheidung so ausgefallen ist. Ich bin von Haus aus Jurist, das heißt ich kann auch über einen tollen Film super langweilige Sachen schreiben. Das gehört da ein bisschen mit dazu. Wenn man diese Texte von mir liest, würde man nie den Film sehen wollen.
(Gelächter bei allen Anwesenden)

Daniel Born: Deshalb veröffentlicht die FSK die auch nicht.
Sabine Wölfle:
Das sind dann immer die Filme wo ich alleine im Kino sitze.

Zintkala pan: Wir haben uns ein wenig in ihre Berufskarriere eingelesen.
Daniel Born: Ihr habt hier doch kein Netz.
(Gelächter)
Win wanyanka: Doch, wir haben hier Teamer (mit Handy).

Win wanyanka: Sie sind ja viel in der Welt herumgekommen. Wohin fahren Sie denn eigentlich am liebsten?
Sabine Wölfle:
Mittlerweile fliege ich gar nicht mehr so gerne. Also ich fahre jetzt zum Beispiel nächste Woche für eine Woche mit dem Mountainbike nach Südtirol. Das habe ich letztes Jahr schon gemacht. Sonst fahre ich immer viel Zug, aber mit dem Fahrrad von Freiburg nach Südtirol das ist schon sehr mühsam. Ich bin mittlerweile wirklich jemand der ganz gerne dort hingeht wo es ruhig ist. Also kein Strandurlaub sondern eher Aktivurlaub.

Zintkala pan: Eine letzte Frage haben wir noch. Was macht eigentlich das Landtagspräsidium?
Daniel Born:
Da bist du nämlich. Da darf ich nicht teilnehmen. Da bin ich jetzt auch gespannt.
(großes Gelächter)

Daniel Born:
Danke für die Frage
Sabine Wölfle:
Jetzt weiß ich was du so machst.
Das Präsidium setzt sich zusammen aus Abgeordneten der Fraktionen und zwar im Abbild der Mehrheitsverhältnisse. Das ist immer ganz wichtig und das wird immer ausgerechnet. Und das Präsidium organisiert das Parlament. Das heißt wir legen die Tagesordnungen für die Sitzungstage fest. Dann gibt es allgemeine Belange der Abgeordneten wie Altersversorgung, das wird auch dort besprochen. Aber natürlich auch Zwischenfälle, die im Parlament auftreten. Wie z.B. Ordnungsrufe, Beleidigungen, die dann aber auch nicht öffentlich besprochen werden. Also das Präsidium ist das oberste Gremium des Landtags, was alles was das Parlament betrifft bestimmt.
Wir hatten in der letzten Wahlperiode einen Landtagsumbau. Und da wurde sehr viel darüber diskutiert, wie wird der Landtag umgebaut. Also diese ganzen Dinge und ganz viel Organisatorisches.

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Indianerzeichnung "Toopi" - Grafik: NAJU BW / J. Brummack

Neben der eigenen redaktionellen Arbeit beim Politikerbesuch 2018, übernahm unsere Lagerzeitungsredaktion auch in diesem Jahr wieder die reguläre Pressearbeit im Rahmen des Politikerbesuches mit Fotoreportage und Pressemitteilung.

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