Trommelklang am frühen Morgen

Unfreiwillige Frühaufsteher im Hotel Wiese

Es war kurz vor fünf Uhr morgens auf dem Lagerplatz. Poloma und Tatze lagen gemütlich in Hotel Wiese. Auch die Kinder lagen gemütlich und leise schlafend in ihren Zelten, als plötzlich ein Schatten auf dem Lagerplatz herumschlich. Wer war da nur so früh auf dem Platz unterwegs und was hatte er im Sinn?

Fundsache am frühen Morgen - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Im "Hotel Wiese" gab es in dieser Nacht einen kleinen Frühstart um kurz nach fünf Uhr. Wir hatten einen Besucher auf dem Platz bekommen, der uns mit einer kleinen elektrischen Trommeleinlage uns eine Freude machen wollte ... - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Das Ergebnis hörten Tatze und Poloma dann schließlich um kurz nach fünf. Der Schatten hatte nichts gutes im Sinn und uns am Ende seiner Taten am Pferdeanhänger uns auch noch einen CD-Player hinterlassen. Und aus diesem trommelte es jetzt gerade regelmäßig unregelmäßig. Poloma stieg aus ihrem Schlafsack und versuchte den CD-Spieler auszuschalten. Als das nicht direkt klappte, nahm sie ihn zum Hotel Wiese mit und reichte ihm Tatze. Der schaute sich das ganze kurz an und am Ende war der CD-Player dann auch schnell wieder still.

Mit dem ausgeschalteten Musikgerät ging Poloma dann wieder zum Pferdeanhänger zurück und stellte ihn dort wieder ab. Tatze war in der Zwischenzeit dann auch aufgestanden. Zu zweit machten sie sich auf den ersten Blick erst einmal schlau, ob sichtbar ein großes Wecken notwendig wäre. Das war es aber definitiv nicht, so dass die Kinder an diesem Morgen vom nächtlichen Besuch erstmal nichts mitbekamen. Wach geworden war scheinbar auch keiner so richtig. Und selbst wenn, aus dem Zelt hatte keiner geschaut, sondern wenn wach wahrscheinlich bereits nach kurzer Zeit wieder eingeschlafen.

Poloma und Tatze drehten eine Runde auf und um den Platz. Beide wollten schauen, ob sie irgendetwas genaueres außer dem CD-Spieler, dem Zettel und den Rehschädel noch finden konnten. Diese drei Sachen waren am Pferdeanhänger platziert. Gegen halb sechs beschloss Poloma sich noch einmal hinzulegen und ging wieder in ihren Schlafsack. Tatze entschied sich dagegen und beschloss sich einmal das frühe Lagerleben anzuschauen. Er nahm die Decke und setzte sich mit Block, Stift, Rauchwolkenmappe und dem Laptop auf den großen Baumstumpf. Da konnte er in der Zwischenzeit auch noch seinen Teil für die Rauchwolke aufschreiben und das bereits vorhandene soweit wie es ging in den Rechner abtippen.

Frühschicht findet Brief und CD-Player - Foto: NAJU BW / M. Bormuth Nach einem Hinweis, erforschte die Frühschicht mal die Fundstücke auf der Wiese genauer - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

Kurz vor sechs kam dann langsam Leben ins Zeltlager. Doch die ersten Kinder gingen nur aufs Klo und dann wieder ins Zelt. Ob sie dort leise irgendwas machten oder weiter schliefen ist nicht bekannt, sie wurden jedenfalls erst wieder einige Zeit später gesehen. Kurz nach sechs Uhr kam dann kurz hintereinander die Frühschicht aus dem Tipi und der morgendliche Rauchwolkenclub nahm Zettel und Stift zur Hand.

Der CD-Spieler auf der Wiese wurde zur Kenntnis genommen, aber keiner schaute mal größer nach. Tatze gab irgendwann der Frühschicht noch einen Tipp. Sie hat gelocktes Haar und Beobachterin gingen daraufhin einmal hin und lasen den Zettel. Nach kurzer Zeit, spätestens als dann auch Ruf des Eichelhähers mit von der Partie war, ging das große Rätselraten bei den Kindern wieder los. Der Rätselclub aus dem Vorjahr hat die Arbeit wieder aufgenommen.

In der Zwischenzeit waren auch das Küchenteam und andere Teamer an der Küche angekommen und begannen mit einer Bestandsaufnahme. Es fehlte nämlich dann doch einiges. Allerdings - und das verkürzte den Kreis der Verdächtigen gleich einmal um viele Namen - keine Lebensmittel sondern nur diverse Listen und anderer Teamerkram. Für das Frühstück nicht so wichtig, begann der Frühstücksdienst ganz normal mit seiner Arbeit. Für das hatten wir noch nie groß eine Liste gebraucht, da das kalkulierte sowieso jedes Jahr aufs neue nicht stimmt. (Je nachdem ob wir eine Müsli- oder eine Brotgruppe haben.)

Teamer wird verhört - Foto: NAJU BW / M. Bormuth Jormas wurde schließlich von einem Teil der Rätselgruppe ins Versammlungszelt gebeten - Foto: NAJU BW / M. Bormuth

In der Zwischenzeit hatte sich auch der Rätselclub, mit weiteren Mitgliedern verstärkt, sich seine Gedanken gemacht. Und da auf dem Zettel ständig etwas von Jormas verlangt wurde, diesen zum Gespräch / Verhör ins Versammlungszelt gebeten. Auch an der Küche hatte man sich inzwischen eigentlich nur noch auf einen möglichen Verursacher festgelegt. Es sprachen einfach zum einen alle Indizien aber auch seine eigene Kommunikation über die elektronische Rauchwolke gegen ihn. Und so wartete man einfach mal ab, ob Yootina sich heute auf dem Platz sehen lassen würde.

Inzwischen trommelte es öfter einmal über den Platz. Die Kinder beschäftigten sich mit der Trommel-CD im zugelaufenen Abspielgerät. Tatze hatte sich in einem günstigen Moment den frei herumliegenden Brief schon einmal geschnappt und in der Lagerzeitungsmappe zwischengeparkt. Denn das der Brief ein Fall für die Lagerzeitung sein dürfte, daran bestand kein Zweifel.

Suchtrupp im Wald - Foto: NAJU BW / L. Bogert Mais-Mutter und Poloma schoben an diesem Morgen einen gut besuchten Zusatzworkshop ein ... - Foto: NAJU BW / L. Bogert

Auch die Programmplanung des Vormittags hatte inzwischen ein kleines Update erfahren. Denn irgendwer musste sich ja auch mal auf die Suche nach Spuren unseres nächtlichen Besuchers machen. Und so kam es, dass ein großer Rätsel-Club zusammen mit Poloma und Mais-Mutter sich, gleich nach dem vormittäglichen Treffen in der Großrunde, in den Wald und die noch vorhandenen Büsche Schlug. Spurensuche stand für diese Gruppe jetzt auf dem Plan. Sie fanden zwar die ein oder andere. Aber die große Erleichterung sollte bei der Rückkehr der Gruppe noch nicht auftreten. Die verlorenen Dinge fehlten noch immer.

War es beim Frühstück jetzt noch nicht ganz so wichtig, gab es in Richtung Mittagessen ein größeres Problem. Einige der für das Mittagessen benötigten Dinge waren in gewisser Menge auch für andere Essen notwendig und überhaupt hatte Tatze noch nicht so ganz den Überblick in der Küche, den er bräuchte. Calfuray (war einkaufen) und Winjan (war noch beim Pferdedienst) standen als Unterstützung auch noch nicht zur Verfügung. So gab es nach dem Aufräumen des Schokocreme-Workshops erst einmal nur allgemeines Richten von Grundmaterial.

Gegessen werden sollte aber auch noch irgendwas - und das nach Möglichkeit pünktlich. Und so gab es am Ende bei Tatzes Gedanken ganz einfach Trick 17. Da der Computer sowieso nach der Abschreiberunde am frühen Morgen zur Steckdose wollte, konnte er doch einfach da mal schnell in den Unterlagen von früheren Freizeiten nach der Kochliste schauen. Die Liste für das Mittagessen ist ja auch aus den Vorjahren immer noch mit der verschwundenen Küchenliste vollkommen kompatibel.

Und so begann Tatze einmal Grundmaterial zu richten und rief seine Dienstgruppe schon einmal zusammen. Und während die begannen Brot und Gemüse zu schneiden, ging Tatze auf dem Rechner Punkt für Punkt in der Liste weiter herunter. Das Mittagessen nahm Gestalt an - auch ohne die geklaute Kochliste.

Rechtzeitig zum Mittagessen kam dann auch noch der wahrscheinliche Übeltäter - Yootina - wieder seine Familie und seinen Stamm besuchen. Als er die Geschichte des CD-Spielers hörte, wirkte er zwar äußerlich ganz erstaunt - aber dennoch verdächtig. Auch der inzwischen wieder am Platz angekommene Rätselclub der Kinder bemerkte das und ging der Sache einmal etwas genauer nach. Und so ging in der anschließenden Mittagspause eine größere abgemeldete Gruppe von Kindern los. Sie wollten mit Hilfe eines kleinen eingetauschten Planes nochmal genauer nach unseren verschwundenen Sachen suchen gehen.

Schließlich konnte Mais-Mutter am Abend ganz gut und normal ihren Kochdienst durchführen. Der Suchtrupp war erfolgreich und es war am Ende der Mittagspause alles wieder da. Selbst Yootina hatte seine Schandtaten den Teamern gegenüber zugegeben. Auch die meisten Kinder schienen es in der Summe verstanden zu haben. Doch bei einigen gab es auch noch am Ende oder sogar nach der Freizeit Fragezeichen zu diesem Thema.

Besonders interessant in der Beziehung waren übrigens Yootinas selbst erzählte Erlebnisse mit dem von ihm jetzt nicht so erwarteten Hotel Wiese beim Workshop-Zelt. Er musste nämlich zugeben, dass die ganze Aktion fast schon beim Anschleichen zur Küche aufgeflogen wäre. Er hatte nämlich den roten Schafsack von Tatze auf der Wiese sehr spät gesehen und wäre fast über ihn gestolpert.

Mehr Geschichten von Yootinas "Überfall"