Das machen eigentlich unsere Nachbarn!

Eigentlich wollten wir ja nur schleichen gehen

In so ziemlich jedem Jahr auf dem Bruderhof hatten wir immer die selben Nachbarn. Waren wir 2003 noch komplett vor ihnen und 2004 durch unsere Länge vor, während und nach ihnen, wollten wir 2005 mehr von unseren indianischen Nachbarn wissen. Zumindest zum Teil, denn vom Programm stand nur schleichen auf dem Plan.

Wir bildeten zwei Gruppen. Eine für die ganz sicheren Spezialisten und eine für die nicht ganz so sicheren. Die dritte Gruppe (Schnarchnasen - die in ihre Schlafsäcke krochen) sollte es am Ende auch noch geben.

Während die nicht ganz so sicheren in der näheren Umgebung unseres eigenen Lagerplatzes bleiben wollten, gingen Jormas und Große Tatze mit ihren Schleichern auf große Reise. Unsere indianischen Nachbarn vom Stamme des Erdvolkes sollten das Ziel sein. Die beiden wollten mal schauen wie weit sie durch deren Wachen kommen würden.

Vor dem Anschleichen stand aber der Schleichtest. Nach dem Einschleichen stand fest, dass die Schleichkönige sich bei Jormas und Tatze versammelt hatten.

Vorsichtig angeschlichen erreichten wir mühelos den Waldrand unterhalb unserer Nachbarn. Noch einmal an möglichst leises Schleichen erinnert, begann der langsame Aufstieg durch den Wald. Oben angekommen verteilten wir uns entlang der Grasnarbe. Zunächst beobachteten wir das für uns fremde Lager. In der Ferne konnten wir die Tipis, in denen ein Lagerfeuer brannte, erkennen. Vor uns lag ein Weg, der von einigen Bewohnern mit Taschenlampe benutzt wurde. Wachen konnten es allerdings nicht sein. Dafür waren sie zu laut. Wir hatten eine sehr große Vorwarnzeit, um uns wieder ein wenig mehr in Richtung des Waldes zurückzuziehen.

Einige Zeit später wurden wir wieder mutiger. Langsam und ganz klein begannen wir uns mehr und mehr in Richtung der Tipis zu schleichen. Je näher wir kamen umso mehr hörten wir das Tipileben des für uns fremden Lagers. In gesicherter Entfernung verharrten wir erneut abseits des Weges und beobachteten die vom Lagerfeuer an die Tipihaut geworfenen Schatten und lauschten den Trommelklängen.

Da auch weiterhin keinerlei Gefahr entdeckt zu werden drohte, krochen wir später erneut weiter in Richtung der fremden Zelte. Da noch näher inzwischen fast schon mittendrin gewesen wäre, war das Hauptziel inzwischen die Beobachtungen und Beschattungen zu vertiefen. Wir hielten Wache, ob unsere Nachbarn irgendwann den für uns sehr komisch klingenden Gesang und die dazugehörigen Bewegungen in ihrem Versammlungszelt beenden würden. Obwohl wir nur knapp fünf Metern vor den Tipis lagen, wurden wir nicht entdeckt.

Diese Tatsache des Nichtentdecktwerdens bewies zudem einigen Kindern den Vorteil des Verlassens auf natürliche Lichtquellen und der Vermeidung von Taschenlampen, die bei einigen Teamern ausgeprägt durchgeführt wurde. Mehrmals sollten im ganzen Zeitraum des Anschleichens verschiedene Mitglieder des Nachbarstammes in einiger Entfernung bis fast auf uns drauf tretend an unserem Anschleichtrupp vorbei laufen. Entdeckt wurden wir durch unsere gute Tarnung und des ausschließlichen direkten Benutzen von Taschenlampen seitens der Mitglieder des Erdvolkes aber keineswegs.

Nur noch mühevoll das Lachen unterdrückend, zogen wir uns nach längerer Zeit wieder in Richtung Waldrand zurück. Dort angekommen bildeten wir erneut eine lange Schlange, um die Anhöhe so leise wie möglich wieder hinunter zu klettern. Dies klappte gut, so dass Jormas und sehr viele Schleicher auch bereits unten waren, als Tatze am oberen Ende mehrere Taschenlampen entdeckte. Stark verzögert begann für ihn und die drei noch bei ihm befindlichen Kinder, (Eulenfrau, Toopi und Singender Schwan) der weitere Abstieg. Unten angekommen mussten sie feststellen, dass der Rest nicht mehr zu sehen war. Ein sicheres weitergehen war jedoch durch inzwischen häufig auftretende Taschenlampen, da die Veranstaltung im Versammlungszelt unserer Nachbarn inzwischen beendet zu sein schien, nicht mehr gewährleistet. Auf sich alleine gestellt blieb den verbliebenen vier Indianern nichts anderes übrig als auf einem Umweg wieder das Lager zu erreichen.

Mit einigen kleinen Pausen gelang es schließlich den Wald auf der anderen Seite der Wiese zu erreichen. Von dort aus wollten sich die Vier über einen kleinen Umweg zu unseren eigenen Zelten durchschlagen. Ohne weitere Probleme kamen alle schließlich eine knappe halbe Stunde nach dem Rest der Gruppe wieder am Platz an. Während Toopi, Singender Schwan und Eulenfrau gleich in Richtung ihres Tipis gingen, vervollständigte Große Tatze die Teamersitzung am Lagerfeuer.

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