Pinkelpause in Horb am Neckar

Bei der Bahn war das Klo kaputt

Mit dem Fahrplanwechsel Ende 2004 verabschiedeten sich die guten alten Bahnwaggons von der Gäubahn. Als Ersatz hierfür gab es jetzt die Triebwagen der Baureihe 425, die in der Regel in Doppeltraktion fuhren. War es in den Vorjahren also noch so, dass in jedem Waggon sich ein WC befand, so sollte es bauartbedingt in diesem Jahr nur noch eines pro Triebwagen geben. Dass allerdings ein Klobesuch im Zug so aussehen könnte, daran glaubte bis zu diesem Tage keiner.

Mit dem Fahrplanwechsel Ende 2004 verabschiedeten sich die guten alten Bahnwaggons von der Gäubahn. Als Ersatz hierfür gab es jetzt die Triebwagen der Baureihe 425, die in der Regel in Doppeltraktion fuhren. War es in den Vorjahren also noch so, dass in jedem Waggon sich ein WC befand, so sollte es bauartbedingt in diesem Jahr nur noch eines pro Triebwagen geben. Dass allerdings ein Klobesuch im Zug so aussehen könnte, daran glaubte bis zu diesem Tage keiner.

Trotz Triebwagen und Einstieg unterwegs war es uns in Tuttlingen möglich als Gruppe im Zug zusammen zu bleiben. Nicht nur die wieder aufgenommenen Gespräche sondern auch die nun verteilte Lagerzeitung mit ihrem neu gestalteten Anhang aus Lesetexten und Rätseln verkürzte die Reisedauer für die meisten Kinder sehr.

Nach einiger Zeit lernten wir dann das diesjährige Abenteuer mit der Bahn kennen. Kurz hinter Rottweil musste der Erste nämlich langsam auf das WC und steuerte auch das sich in unserem Triebwagen befindliche an. Kurz darauf kam die kleine Gruppe, sie dich nach dem Aufbruch des Ersten gebildet hatte unverrichteter Dinge wieder zurück und meinte nur: "Das Klo ist kaputt". In unserem Triebwagen gab es jetzt natürlich außer dem kaputten kein weiteres Klo. Dadurch war nach diesem kleinen Satz klar: wir haben zumindest im hinteren Zugteil, wo wir uns befinden, kein Klo bis Stuttgart. Und der Weg dorthin war noch weit.

Unterwegs nach Oberndorf kam Wininikachi die Idee, im vorderen Zugteil das WC zu nutzen. Schnell bildete sich eine Gruppe um ihn herum, die von Oberndorf nach Sulz zusammen den anderen Triebwagen aufsuchen wollte. Dort sollte dann das WC aufgesucht werden. Von Großer Tatze mit Fahrkarten ausgestattet, wechselte die Klogruppe um Wininikachi den Triebwagen und wurde freundlich verabschiedet. Das defekte WC im hinteren Zugteil bemerkten auch noch einige in unserer Nähe sitzende Jugendliche, die darüber nicht sehr begeistert waren. Mussten alle drei doch ebenfalls sehr dringend.

Auch im Hinblick auf die weitere WC-Situation bis Stuttgart, bildete sich auf der Weiterfahrt nach Sulz eine zweite WC-Gruppe um Große Tatze, die beim nächsten Halt eine Staffelübergabe mit der sich bereits vorne befindlichen Gruppe machen wollte. Doch dazu sollte es im Sulz erst gar nicht kommen. Kurz nach dem Halt gab die Gruppe um Wininikachi bereits Handzeichen. Der Grund dafür war recht einfach: Das WC im vorderen Triebwagen war auch defekt. Wininikachi hatte jedoch bereits beim Triebfahrzeugführer (Lokführer) Bescheid gegeben. Da das WC-Problem doch nun etwas größer war, versprach dieser Wininikachi eine Lösung zu suchen. Er fand diese am Ende auch, doch die Durchsage zur Mitteilung an die Fahrgäste sorgte für einige Erheiterung.

"Sehr geehrte Fahrgäste. Da aufgrund einer technischen Störung mittlerweile auch das WC in unserem vorderen Zugteil nicht mehr zur Verfügung steht, macht dieser Zug am nächsten Halt in Horb am Neckar eine Pinkelpause von etwa 10 Minuten. Das WC in Horb am Neckar befindet sich im Bahnhofsgebäude, Treppe runter und dann links sowie im Bahnhof dann nach rechts gehalten."

Und so wurde es dann auch gemacht. Eine Riesengruppe um Große Tatze stürmte aus dem Zug und in Richtung Bahnhofsklo. Glücklicherweise befand sich hinter der Eingangstür eine größere WC-Anlage. Nach vollendetem Geschäft hechteten dann alle wieder zurück zum Zug und stiegen ein.

Der Lokführer vergewisserte sich ob alle wieder eingestiegen waren, schloss die Türen und fuhr weiter.

Trotz unseres längeren Aufenthaltes in Horb sollten wir pünktlich im Stuttgarter Hauptbahnhof ankommen.

Dort eingetroffen verabschiedeten sich alle um eine Bahn-Erfahrung reicher von einander. Sehr viele bedauerten auch, dass die Rauchwolke schon fertig war und somit diese Pinkelpause bisher nie in schriftliche Freizeitengeschichten eingehen konnte.

Unser Zug wurde übrigens in Stuttgart weder repariert noch ausgetauscht, so dass auch auf der Rückfahrt in Richtung Singen kein funktionierendes WC im Zug zu finden war. Ob jedoch auch hier eine "Pinkelpause" unterwegs eingelegt wurde, ist nicht bekannt. Wir hatten auf jeden Fall viel Mitleid mit den uns nachfolgenden Fahrgästen.

Abenteuergeschichten im deutschen Bahnverkehr