Und plötzlich war der Zug weg

Wenn die Bahn gestrichene Züge reserviert

Seit meiner ersten Freizeit hatten wir sehr häufig mit knappen Umsteigezeiten zu kämpfen. Doch den Zug verpasst oder eine größere Panne hatten wir noch nie. Gut zweimal Schienenersatzverkehr führte zu großen Improvisationen durch die veränderten Abfahrtszeiten in Döggingen, aber so richtig Probleme auf unseren Bahnfahrten hatten wir noch nie – bis 2013. Dann aber gleich in allen Belangen.

Am Packtag hatten wir alles zusammen. Das Material war im Transportbus verladen. Die Fahrkarten zusammen mit allen Unterlagen waren für die Zugbegleiter gerichtet. Alles hätte so schön sein können. Wenn nicht Große Tatze, wegen der verlängerten Wegstrecke von und nach Mannheim, für den Zugordner noch einen kompletten Fahrtverlauf ausdrucken gewollt hätte.

Im Ordner war die Buchungsbestätigung der Bahn vorhanden. Eine bestätigte Gruppenreise im RE von Döggingen nach Rottweil und dann von dort aus im RE weiter nach Stuttgart. Bestätigungsdatum Mitte Juli. Doch im Internet war diese Verbindung nicht mehr zu finden.

Der RE fuhr nur bis Donaueschingen mit einem Übergang auf den Schienenersatzbus, der für eine Kindergruppe mit Gepäck mehr als nur sportlich war. - Eine Mitteilung der Bahn über diese Zugstreichung hatten wir auch in diesem Jahr nicht bekommen. Verwunderte auch nicht. Schließlich war der Zug bereits am 1. Juli wegen Bauarbeiten in Villingen gestrichen worden. Die Bahn teilte uns nach der Streichung dennoch mit, dass wir mit dem nicht fahrenden Zug fahren könnten.

Also: Spontanimprovisation. Erster Gedanke – früher fahren geht auf keinen Fall. Zweiter Gedanke – eine Stunde später und über Tuttlingen ist bei der Umsteigezeit (3 Minuten) eine Zumutung. Also Dritter Gedanke – wir fahren einfach dem Gäubahnzug von Donaueschingen nach Singen über die Schwarzwaldbahn entgegen. Eigentlich wäre in Engen schon ein Umstieg möglich gewesen, aber die Wartezeit wäre dort noch größer als schließlich in Singen gewesen.

Ankunft in Stuttgart somit eine Stunde später. Der Anschluss nach Mannheim und die dortige Ankunftszeit aber nicht zu halten. Und dank der tollen Umsteigezeiten dort ein Übergang auf einen ICE nicht machbar. Also völlig veränderte Fahrzeiten und kein Zusatzticket für die Eltern mehr.

Aber auch diese Klippe war halbwegs umschiffbar. Die Eltern, die wir nicht direkt persönlich am Telefon erreicht hatten, waren über den umgehend auf der Internetseite platzierten Hinweis bereits vor Abfahrt informiert. Nach einer kleinen Bahnhotline-Odysee konnten wir auch eine Lösung für die von zwei Eltern bereits gekauften Fahrscheine für die Rückfahrt anbieten. Die Rückfahrt wurde ja dank des Nichtanschlusses nicht mehr direkt gebraucht.

Ohne größere Probleme wurde auf der Hinfahrt zuerst Stuttgart, später dann Tuttlingen und Döggingen erreicht. Die Freizeit konnte beginnen.

Etwas abgeschlafft und voller Vorfreude auf zu Hause stiegen wir Zugfahrer nach der Freizeit schließlich in unseren Zug ein. Dass dieser uns in diesem Jahr nur bis Donaueschingen fahren sollte, nahmen wir inzwischen mit Humor. Dank der Pünktlichkeit des Zuges erreichten wir schließlich Donaueschingen zur Abfahrtszeit des SEV-Busses nach Rottweil. Ob dieser auf die eilenden Fahrgäste gewartet hatte wissen wir nicht. Wir warteten gemütlich auf dem gleichen Bahnsteig auf unseren Zug in Richtung Konstanz. Nach dem Einsteigen verteilten sich die Kinder auf den Sitzplätzen im Oberdeck des Doppelstockwagens, während mehrere Teamer das Gepäck "reisefähig" verstauten. Aufgrund der Position des Mehrzweckabteiles verzichteten wir auf einen Spurt ans andere Ende des Zuges. Kurz darauf kam die Zugbegleiterin zur Fahrkartenkontrolle und fand unsere Konstruktion mit freiem Durch- und Türzugang auch in Ordnung. Singen – wir kommen.

In Singen dann wieder alles aussteigen. Hier mussten wir jetzt den Bahnsteig wechseln. Feuermachender Luchs fand in Donaueschingen die Gepäckbänder faszinierend. In Singen durfte er sie jetzt für seine Tasche gleich doppelt selbst nutzen. Dank der großzügigen Wendezeit des Gäubahnzuges in Singen, konnten wir bereits direkt nach unserer Ankunft in diesen einsteigen und es uns gemütlich machen. Bis zur Abfahrt sollte es jetzt noch eine Weile dauern. - Das aber die Bahnfahrt nach Stuttgart selbst noch Probleme bereiten würde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen.

Abenteuergeschichten im deutschen Bahnverkehr

 

Mit der NAJU auf Schleichpfaden
Übersicht Indianerlager Äckerhof - Foto: NAJU BW / L. Praetorius

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